Beschreibung
Lars van Roosendaal zeigt in Asian Pride einen nackten Mann, der sich auf einem Laken zusammenrollt. Wir sehen ihn von den Füßen her. Die Fußsohlen und das Gesäß liegen vorn im Bild, der Kopf verschwindet hinter dem angewinkelten Arm. Eine Hand greift in den eigenen Oberschenkel. Van Roosendaal zeichnet den Körper in fein abgestuftem Graphit und lässt ihn farblos. Das Laken darunter malt er in kräftigem Blau, die Wand dahinter in Rosa und Violett.
Asian Pride gehört zur Porträtserie Stolz, Scham & Vorurteil!, die van Roosendaal vom 1. Oktober bis 1. November 2020 im R.O.P.P. (Republic of Patta Patta) in Wien zeigte. Für die Serie porträtierte er Männer aus der schwulen Community, teils vor Ort, teils während der Ausgangsbeschränkungen über Videocalls und WhatsApp-Fotosessions. Jeder Porträtierte schrieb ein Statement über seinen Stolz, seine Scham und die Vorurteile, die ihm begegnen.
Der Porträtierte, JP, schämt sich nicht dafür, ein schwuler Chinese in Österreich zu sein. Scham erlebte er an anderer Stelle: Als er in Österreich einen Mann heiraten wollte, brauchte er eine Ledigkeitsbescheinigung der chinesischen Botschaft. Die Botschaft stellte sie nicht aus, weil China keine Ehe zwischen zwei Männern kennt. Stolz ist er auf sein Aussehen, seine glatte Haut und seine Lust. Als Vorurteil nennt er, dass andere ihn oft für einen Masseur halten. Sein Kommentar dazu: “Asians can do so much more than that.”
Im September 2026 zeigte van Roosendaal das Werk erneut, bei UNBOUND ’26 im Atelierhaus Berlin-Lichterfelde, einem ehemaligen Frauengefängnis. Die Ausstellung von prideART Berlin stand unter dem Thema MASCULINITY.
Der Titel verspricht Stolz, die Figur versteckt ihr Gesicht. JPs Statement zeigt, wie nah beides beieinanderliegt: Österreich öffnete die Ehe 2019 für gleichgeschlechtliche Paare, und trotzdem kann das Recht eines anderen Staates sie im Einzelfall verhindern. Die ungewöhnliche Perspektive auf den zusammengekauerten Akt steht zudem in einer Wiener Tradition der Aktzeichnung, die Egon Schiele geprägt hat.
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